Nadine B. und Quentin

quemtin

Beißt Menschen

 

q1Quentin, der Chihuahua

Dies ist die Geschichte von Quentin, dem Chihuahua. Quentin stellte unser bisheriges Leben gehörig auf den Kopf. Zu mir war er immer liebenswert, doch ansonsten herrschte nur noch Chaos. Fremde wurden unverzüglich gebissen, keiner durfte sich mir ungestraft nähern. Besuch kam nur noch selten und auf so manchem Knöchel hat Quentin seinen Zahnabdruck hinterlassen. Er wachte ständig an Türen und Fenstern und ließ man ihn von der Leine, so brauchte man Geduld. Irgendwann beschloss dann der Chihuahua, dass es nun wieder heimwärts gehen könne.

Zufällig kam ich an die Adresse des „Hundeschweigers" Bernhard Kainz und bin noch heute froh darüber. Mit Quentin wusste ich mir keinen Rat mehr –. Herr Kainz öffnete mir die Augen für mein weißes Fellbündel. Ich kann mich noch gut an die erste Begegnung mit „dem Hundeschweiger" erinnern. Quentin wollte direkt an der Haustür zum Angriff übergehen und Herr Kainz war mitten im Geschehen. Ich stand dabei und beobachtete. ...und der Hundeschweiger schwieg – aber es passierte etwas. Trotz der Stille sah man die Kommunikation der beiden deutlich. Gegen Ende des Besuches fraß ihm Quentin aus der Hand und wirkte ganz entspannt.

Doch der Hundeschweiger schweigt nur bei Hunden – mir musste er ja auch noch einiges deutlich machen. Herr Kainz half mir, meinen Hund zu verstehen, denn er „schweigt" fließend Hundesprache. Nach dem Besuch schwirrte mir erst mal der Kopf und mir wurde klar, dass mir die wunderbare Chance eröffnet wurde, die Seele des Hundes nicht nur zu spüren, sondern auch mit meinem Freund ohne fatale Missverständnisse „zu reden".

Quentin lebt leider nicht mehr. Er ist am 04. März 2011 plötzlich verstorben und er fehlt mir so sehr. Er hat sich zu einem freudigen Hund entwickelt, der sich gerne von Besuch streicheln ließ, nicht mehr an der Tür bellte, abgeleint lieber bei mir blieb, als dem Hasen zu folgen und für sein Leben gern im Garten mit unserem Mops und dem noch dazugekommenen Rhodesian Ridgeback spielte. Er wirkte nicht mehr gestresst und hat Hund sein dürfen. Wenn ich im Garten gearbeitet habe, hat er am liebsten im Schatten des Holunder-Busches oder des Haselnuss-Strauches gelegen, er hat Ameisenstraßen beobachtet und Schnee gemocht. Er war aufgeweckt und liebevoll, dieser kleine Chihuahua konnte mit seiner Persönlichkeit einen ganzen Festsaal füllen.

Dank des Hundeschweigers haben außer mir auch andere Menschen das Strahlen dieses Hundes noch erlebt. ...und ich konnte endlich mit ihm reden. Wir haben uns gerne angeschwiegen. Nun habe ich nur noch Erinnerungen an Quentin, doch dafür viele und wunderschöne. Sie werde ich in mir tragen und im Gedanken bleibt er unvergessen. Wir haben gegenseitig gewusst, was der andere fühlt und schließlich ohne Worte verstanden. Wir waren ein Team und er mein bester Freund. Mein kleiner Quentin, ich werde dich nie vergessen! ...und auch nicht, dass Herr Kainz uns den Weg gewiesen hat, der für uns noch so glücklich war. Ihr habt mir beide viel beigebracht – und darüber bin ich sehr froh.

Nadine B.

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